08. Mai 2015 NEURIED. Der Geschmack von Auberginen ist nicht jedermanns Sache, ihre schwarz-lila Farbe macht es nicht besser. Klingen tun diese Auberginen aber hervorragend, wie am Mittwochabend im Ichenheimer Löwen zu hören war. Dort gastierte das "Ensemble Aubergine" aus Basel mit seinem Programm "Wo bin ich daheim?", und die rund 60 Zuhörer waren nicht nur begeistert von den schönen Stimmen der fünf Sänger und Musiker, sondern vor allem von den musikalisch ausgefuchsten Arrangements. Für diese zeichnet Richard Erig verantwortlich, ehemals Dozent für Blockflöte und Oboe in der Scola Cantorum Basel. Ein genialer Arrangeur nicht nur was die Harmonien anbelangt, die bei Barbershop, Jazz, 30er-Jahre-Schlager und Madrigal wildern, sondern auch was den Ideenreichtum der Querverweise betrifft. Zur Freude der Zuhörer wandelt sich Pachelbels "Canon in D-Dur" kaum merklich in Ina Müllers "Komm wir sanieren unsre Beziehung", Gitte Haennings "Ich will nen Cowboy als Mann" biegt von der Schlagerstraße ab zu Thommie Bayers "Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh" und landet schließlich bei Dorthe Kollos Hit "Wärst du doch in (nein, natürlich nicht Düsseldorf, sondern) Gütersloh geblieben". Man hört immer wieder Bekanntes an diesem Abend und freut sich über die Kreativität des Ensembles, die aus den alten Gassenhauern feingliedrige Spezialitäten machen, ohne ihnen das Spaß-Potential zu nehmen. Man hört, dass alle Ensemblemitglieder auch beruflich mit Musik zu tun haben. Überraschend ist allenfalls, dass nur Nicolas Savoy tatsächlich Gesang studiert hat und bei Bach genauso zu Hause ist wie im Jazz oder in der Gregorianik. Daniel Zellweger ist Trompetenlehrer und Instrumentenbauer und begeistert das Publikum als strahlend heller Countertenor. Kathrin Fehr arbeitet als Grundschullehrerin, spielt Flöte und singt Sopran – oft in close harmonies, die sich bewusst ein wenig reiben an den Männerstimmen. Christoph Grau-Kaufmann stammt aus Dundenheim, lebt seit vielen Jahren in Basel als Lehrer für Musik und Mathematik, ist Organist und Chorleiter. Erstmals ist er mit dem Ensemble Aubergine in der alten Heimat musikalisch zu Gast, ohne auf irgendeinen Heimvorteil angewiesen zu sein. Denn das Ensemble Aubergine überzeugt auf der ganzen Linie, auch mit kleinen Inszenierungen der Lieder, die zum Beispiel das schöne Schweizerlied "z’Basel an mym Rhy" orientalisch verfremdet und dann doch wieder zu den Pfiffern und Trommlern der Basler Fasnacht zurückfindet. Dass nicht nur a capella gesungen wird, sondern Richard Erig am Piano begleitet, auch mal Gitarre und Bassgitarre zum Einsatz kommen, ist erfrischend undogmatisch. Ein ganz wunderbarer Abend, der den begeisterten Applaus hoch verdient hatte. Autor: Juliana Eiland-Jung